Leidenschaftlich scharf - aus der Welt am Sonntag

Fair, transparent und lecker: Das Kölner Start-up „Hennes’ Finest“ handelt mit Kampot-Pfeffer.

Das Land, wo der Pfeffer wächst, ist ein Ort, an den sich Sebastian Brimmers liebend gern schert. Dort ist es warm, die Menschen sind freundlich – vor allem aber wächst dort eines der besten Gewürze der Welt: Kampot-Pfeffer. Als der Kölner nach seinem Sportstudium Ende 2009 kreuz und quer durch Südostasien reiste, fand er Geschmack an den scharfen Körnern, die traditionell in der Provinz Kampot an der Südküste Kambodschas angebaut werden. Und er sah die Chance, als Händler für den seltenen und kostbaren Kampot-Pfeffer seine Idee von beruflicher Unabhängigkeit einerseits und Verantwortungsbewusstsein andererseits verwirklichen zu können.

Zwei Jahre später hat der Traum des Reisenden Gestalt angenommen. Zusammen mit seinen Freunden Martin Gompelmann und Bastian Stollwerk hat Sebastian Brimmers die Handelsgesellschaft „Hennes’ Finest“ gegründet, über die das Trio nun den Kamport-Pfeffer vertreibt. In Köln-Ehrenfeld haben die drei in monatelanger Schufterei ein kleines Ladenlokal hergerichtet, von dem aus sie nun die Feinschmeckergaumen der Republik erobern wollen.

Was die Freunde antreibt ist – neben dem exzellenten Geschmack – die Geschichte, die hinter dem Kampot-Pfeffer steckt. Eine Geschichte, die auch die Historie des Anbaulandes Kambodscha zeigt: Angebaut wurden die wertvollen Pflanzen seit 1870 in der Region Kampot, ein großer Teil der Ernte seither nach Frankreich exportiert. Nach der Machtübernahme der Roten Khmer in den 1970er Jahren wurden die Plantagen beschlagnahmt, die Pflanzen vernichtet, die Bauern vielfach umgebracht. Und auch bei den Feinschmeckern der westlichen Welt geriet das Gewürz in Vergessenheit. Erst seit den 1990er Jahren wird der Kampot-Pfeffer wieder angebaut.

Am Tresen eines Pubs in der Stadt Kampot traf Sebastian Brimmers 2009 zufällig ausgerechnet den Mann, der maßgeblich für die Wiederbelebung des Kampot-Pfeffers verantwortlich war. „Jerome Benezech, einen Franzosen“, erzählt der Kölner. Der hatte 2006 die Organisation FarmLink gegründet, um die Farmer in der Region beim Anbau des Pfeffers und bei der Suche nach Geschäftspartnern zu unterstützen.

„Die Begegnung mit Jerome endete damit, dass ich 20 Kilosäcke Pfeffer kaufte und mit nach Deutschland brachte“, erzählt der 28-Jährige. Schnell gewann er seine Freunde und heutigen Geschäftspartner für das „Projekt Kampot-Pfeffer“.

Bekannte und Verwandte waren die ersten Kunden und das Geld aus dem Verkauf reichte, um gemeinsam nach Kambodscha zu fliegen. „Wir haben uns die Plantagen angeschaut, haben gesehen, wie die Bauern jedes Pfefferkorn einzeln auf seinen Reifegrad überprüfen, bevor sie es pflücken. Wir haben die Frauen beobachtet, die alle Körner von Hand auslesen und konnten uns davon überzeugen, dass das Geld aus dem Verkauf auch wirklich bei den Bauern ankommt. Bei jeder Portion Pfeffer können unsere Käufer über einen Code nachvollziehen, von welchem Bauer die Körner stammen „, sagt Gompelmann.

Zurück in Deutschland stürzten sich die drei in die Arbeit. „Wir brauchten Schraubgläschen in kleiner Auflage, Etiketten, Verpackungen, eine kleinen Abfüllanlage – selbst gebaut natürlich – und nicht zuletzt einen Namen“, erinnert sich Martin Gompelmann. Diesen Namen und das markante Pinguin-Logo steuerte wieder Brimmers bei – in echt kölscher Manier: „Der Freund meiner Mutter heißt Hennes, ein richtiger Händlertyp – und er hinkt, so dass sein Gang an einen Pinguin erinnert. Der Name ‚Hennes’ Finest‘ ist ein Art Hommage an ihn.“

Die Entstehung des Firmennamens – frei von Marktforschung oder sonstigem ökonomischen Brimborium – ist typisch für das Herangehen der drei Diplom-Sportler an ihr Business. „Intuitive Geschäftsführung“ nennen sie das. „Wir stecken unser ganzes Geld, unsere Zeit und Ideen hier rein“, sagen sie – ihr Firmenkapital heißt Idealismus und der wirkt ansteckend. „Wir haben so viel Hilfe von allen Seiten bekommen“, staunen die Jungunternehmer.

Bei Gompelmann reicht die Begeisterung noch eine Löffelbreite weiter als bei seinen Partnern. Der Koch aus Leidenschaft gerät ins Schwärmen, wenn er Rezepte für seinen Pfeffer empfiehlt: „Roastbeef mit schwarzem Pfeffer, dazu Salat, der mit weißem Pfeffer angemacht ist und zum Nachtisch reife Mangos mit rotem Pfeffer.“

Von Christina Petrick-Löhr | WELT

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