MaiBeck für Alle

Als die Jungs vom MaiBeck uns in der Pfeffer-Boutique gegenüberstanden und fragten, ob wir ihnen Pfeffer und Mühlen für Ihr Restaurant verkaufen möchten, wussten wir nach wenigen Worten: das passt! Nicht, weil wir das große Geschäft witterten oder wir uns damit brüsten wollten, dass das MaiBeck, diese 1-Stern-Aromengalerie mit unserem Pfeffer arbeitet (ok, vielleicht ein bisschen). Es war die Einstellung die uns Jan, Tobi (Chefs) und Enno (Sous-Chef) zu Lebensmitteln und Erzeugern, zu Partnern und Kunden, zum Wirtschaften und zum Leben überhaupt vermittelt haben. Sie ziehen die Sinnhaftigkeit der Maximierung vor, die Ehrlichkeit der Etikette, die Präzision dem Druck, die Kreation der Verwaltung, die Leidenschaft der Pflicht und die Genügsamkeit dem Überfluss. Das macht sie zu sehr angenehmen Mitmenschen, die es durch Achtsamkeit und Interesse verstehen, dem Gegenüber ein gutes Gefühl zu geben. So fühlt man sich auch bei einem Besuch im MaiBeck. Das Ambiente ist lebhaft und doch sehr entspannt. Die Angst vor Haut-Cuisine-Gebaren schwindet im Moment des Eintritts. Offene Lüftungsrohre, kleine Tische aus Industrieholz und beturnschuhtes Personal. Alles schick und stilvoll, dabei nie zuviel und immer angenehm-lässig. Man konzentriert sich auf das Wesentliche und das findet auf dem Teller statt:

Ist dieser Räucheraal aus Emden der Heilsbringer aller Feinschmecker? […] weil er so zart wie ein Seesaibling schmeckt und so delikat wie eine Mousse auf der Zunge schmilzt. Ein paar weiße Rübchen für die Erdigkeit, ein bisschen Rhabarber für die Säure, ein Tupfer Joghurtcreme für die Frische, zwei, drei Romana-Salatblätter für die Knackigkeit und ganz wenig Estragon für die Pikanterie von Anisaromen, mehr braucht er nicht als Entourage, um zu einem wunderbaren Gericht zu werden – kein handwerkliches Hexenwerk, keine hochartifizielle Geschmackskomposition, sondern ein klarer, logischer, unkomplizierter Teller, der sich vollkommen auf die Qualität seiner Ingredienzien konzentriert und ein Fanal des klugen Verzichts ist.“ [JAKOB STROBEL Y SERRA – FAZ]

Genau das wollten wir auch sagen, aber der Herr von der FAZ war schneller. Alles was die Jungs sind und wofür sie stehen findet sich in ihren Gerichten wieder. In jeder Crème, jedem Mousse und jedem noch so kleinen Crouton. Aus in allen Belangen vernünftigen (und wenn möglich regionalen) Grundprodukten bescheren sie uns mit feinster Handwerkskochkunst ein sehr besonderes Essenserlebnis, bei dem man mit allen Sinnen und Gedanken vollständig anwesend ist. Gleichzeitig ist das „Maibeck“ sehr günstig im Vergleich zu anderen Sternerestaurants. Das liegt auch daran, dass Jan und Tobi nie nach dem Stern gegriffen haben, sondern der Stern nach ihnen. Sie wollten einfach nur richtig gut kochen, davon leben können und ihr Talent möglichst vielen Menschen zugänglich machen. Ein 4-Gänge-Kunstwerk gibt es bei den beiden für 42€, mit 4 dazu auserwählten Weinen zahlt man 69€. Sehr leckere, clever eingekaufte Weine kosten 6€ pro Glas. Das Essen macht mit seinen für dieses Niveau „großen“ Portionen satt, lässt einen aber nicht bewegungslos zurück. Wirklich beeindruckend ist, wie präzise die Speisen in allen uns bekannten Geschmacksdimensionen austariert sind. Essensgenuss als Kunstform, da bedarf es mehr als nur den reinen „Geschmack“. Im MaiBeck spielen die Meister zusätzlich mit Temperaturen, Konsistenzen und Nervenreize durch Prickeln oder Schärfe. Das unterscheidet ihre Gerichte vom alltäglichen und lässt sie zu einem Kunstwerk werden, das man essen kann. Geht hin, erlebt es und genießt die kulinarische Bildung. Ihr werdet es lieben!

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