Report Kampot

Sok Sabay aus Kampot!

Seit 2011 hat uns das alltägliche Pfeffer-Business in Deutschland so fest im Griff, dass immer nur einer von uns nach Kampot reisen durfte. Nach langer Zeit haben wir es endlich wieder geschafft, uns zu dritt ein Bild von Land, Leuten und Pfeffer zu machen.

Wir versuchen Euch die kambodschanische Gesamtsituation mal aus einer Mischung aus Fakten, Gesprächen und Eindrücken zu schildern. Wer nur Infos zum Pfeffer haben oder nur Fotos anschauen möchte, muss einmal nach unten springen.

Zunächst zu den Fakten (Wikipedia):

  • Einwohnerzahl: 15,3 Mio.
  • Staatsform: parlamentarische Wahlmonarchie
  • Bruttoinlandsprodukt pro Einwohner: 931$
  • Amtssprache: Khmer
  • Alterdurchschnitt: 21,7 Jahre
  • Lebenserwartung: 59 Jahre
  • Kinder: 3,3 pro Frau

 

Reist man durch Kambodscha hat man immer noch den Eindruck, in einem rückständigen Entwicklungsland zu sein. Extrem schlechte Straßen, Plastikmüll wohin man schaut, kein öffentlicher Verkehr und viele Menschen, die ihr Dasein ohne Elektrizität und fließendes Wasser in Dreck und Staub fristen. Gemacht wird das, was sich gerade ergibt. Hun Sen ist seit 31 Jahren Premierminister. Einige Kulturstätten und Ressourcen des Landes sind an private kambodschanische Firmen oder ausländische Investoren, vor allem Chinesen, Vietnamesen und Koreaner verkauft. Der Mindestlohn beträgt seit letztem Jahr 130$/Monat, wobei der Kambodschaner mit niedrigsten Ansprüchen zwischen 75$ und 90$ für Unterkunft, Wasser, Essen und Elektrizität ausgeben muss. Eine Krankenversicherung haben nur die allerwenigsten. Wenn, dann zahlt ein meist europäischer Arbeitgeber sie privat. 70% der Kinder gehen zur Schule, circa 20% der Bildungsleistungen werden von NGOs übernommen.

Die ältere Generation, vor allem aber die einfache Landbevölkerung unterstützt Hun Sen, denn sie vergleichen ihre Umstände mit denen aus der Zeit der Roten Khmer. Und da es schlimmer nicht sein kann, fühlen sie sich gut behandelt. Außerdem stellt Hun Sen ihnen vor jeder Wahl einen Sack Reis vor die Tür. Die jüngere Generation sieht keine wirkliche Alternative und geht gar nicht erst zur Wahl. Hun Sen hat das Militär hinter sich und dem im Westen gefeierten „liberalen“ Sam Rainsy trauen viele nicht so richtig über den Weg. Also lieber den Status Quo behalten als erneut eine kriegerische Auseinandersetzung riskieren. Und wenn man ganz genau hinschaut ist die Entwicklung in den letzten Jahren auch nicht ganz so schlecht, denn Hun Sen, den viele im Westen als eine Art Diktator sehen, scheint im Alter einen Sinneswandel zu haben. Vor 3 Jahren hat er die ACU (Anti-Corruption-Unit) ins Leben gerufen um die Korruption zu bekämpfen, die unter seiner Herrschaft wie ein Krebsgeschwür gewachsen ist und das Land über Jahrzehnte gelähmt hat. Nun, da er durch ebendiese Korruption einer der reichsten Männer der Welt geworden ist und seine Schäfchen im Trockenen hat, bekämpft er sie. Und er meint es Ernst: einige hohe Minister und Gouverneure sitzen bereits wegen Korruption im Gefängnis, im Moment hat er seinen eigenen Vize-Premierminister im Visier, da der für horrende Summen Land gekauft hat und keiner weiß, woher er das Geld dafür kommt. Hun Sen hat außerdem einen Mindestlohn eingeführt, mehr staatliche Schulen errichten lassen und versucht Schritt für Schritt ein ordentliches Steuersystem zu etablieren. Wer weiß, vielleicht ist der ehemalige Offizier der Roten Khmer, der gegen Ende der Diktatur selbst gegen Pol Pot kämpfte, in dieser Phase der richtige Mann für das Land? Die Geschichte wird es uns zeigen.

Wenn wir hier sind stellen wir uns oft die Frage, nach welchen Maßstäben man Glück und Zufriedenheit eigentlich bemessen sollte. Denn trotz den aus westlich-materialistischer Sicht ärmlichen Verhältnissen spürt man keine Unzufriedenheit, keinen Neid und keine Mißgunst. Eher Bescheidenheit, Zurückhaltung, Demut und Neugierde. Die Kambodschaner sind genügsam und leidensfähig. Sie kennen es nicht anders.

Das Land ist extrem fruchtbar, kaum jemand muss hungern. Nur Investitionen sind für viele undenkbar. Oft scheitern eigene Vorhaben an simplen Dingen. Man kann sich keinen Zaun leisten oder das richtige Werkzeug fehlt. Man klagt nicht, man akzeptiert. Man fügt sich in sein Schicksal, denn wenn es so ist wie es ist, dann wollte jemand das so.

Am Ende kann man keine Bewertung abgeben, denn alles ist eine Frage des Maßstabs. Was will man und wonach strebt man. Unter diesem Gesichtspunkt muss man feststellen, dass es vielen Kambodschanern vielleicht sogar besser geht als manchen Europäern, redet man über Zufriedenheit. Stress und Verbissenheit kennt hier keiner. Man lebt mit der Natur, geht schlafen wenn es dunkel wird und steht auf, wenn der erste Hahn kräht. Man isst was in der Gegend wächst, erfreut sich an einfachsten Dingen, lebt in Gemeinschaft mit Familie und Nachbarn. Und eines fällt besonders krass ins Auge: Kinder. Überall Kinder. Und die werden das Land verändern. Wie auch immer.

Und nun zum Pfeffer

Es ist der Wahnsinn, was hier abgeht. Als Brimmi im Jahr 2009 den Pfeffer entdeckt hat gab es nur 12 Kleinbauern, die damals mit Unterstützung von Farmlink ein paar hundert Kilo Kampot Pfeffer produzierten. Mittlerweile ist es sehr unübersichtlich geworden wie viele „Pepper-Player“ es auf dem Markt gibt. Es dürften weit über 200 sein. Die Größe der Farmen reicht von 130 bis 40.000 Pfefferpflanzen. Was uns besonders aufgefallen ist, sind die „Big-Player“, fast immer Europäer, die viel Geld in die Hand nehmen, um richtig große Farmen mit den entsprechenden Fabrikhallen und Geräten aufzubauen. Es scheint eine Art „Goldrausch“ zu geben, so fühlt es sich im Moment an. Eines ist sicher: nicht alle werden erfolgreich sein, denn der Pfefferanbau ist kompliziert und aufwendig. Am Ende werden sich die Bauern oder Farmbesitzer durchsetzen, die die besten Anbaumethoden pflegen und die höchste Qualität liefern können.

Viele der neuen Farmen können noch gar keinen Pfeffer liefern, da eine Pfefferpflanze bis zur Ernte 3 Jahre benötigt. Sollten bis zum Jahr 2019 alle registrierten Pflanzen überleben, kann man 450 Tonnen Kampot Pfeffer erwarten. Die meisten Experten mit denen wir gesprochen haben gehen allerdings nicht davon aus. Aber auch wenn dieser Fall eintreffen sollte, bleibt Kampot Pfeffer eine absolue Rarität, nimmt man die weltweit produzierte Pfeffermenge von bis zu 400.000 Tonnen als Vergleichswert.

Die Schwierigkeit wird sein, die „guten“ Bauern zu identifizieren, also diejenigen, die ohne den Einsatz von Pestiziden die höchste Qualität liefern.

Unter dem Strich war diese Dienstreise für uns extrem erkenntnisreich und wir haben ein durchweg positives Gefühl, dass wir zusammen mit unseren Partnern auch in Zukunft feinsten Kampot Pfeffer nach Deutschland bringen können und somit der Region Kampot dabei helfen können, langfristig und nachhaltig den organischen Pfefferanbau zu betreiben.

In diesem Sinne,

Jom-reap-lea aus Kampot

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